Verloren am Fuße des Altkönigs
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Verloren am Fuße des Altkönigs

DRK und Bergwacht stellen bei Nachtübung ihre Sachkenntnis und ihre gute Teamarbeit unter Beweis

Foto: David Schahinian

Erst warm verpackt und gesichert, machen sich die Helfer von DRK und Bergwacht anschließend an den Abtransport von Herrn Huber. Foto: dsc

Es ist keine schöne Vorstellung, in unwegsamem Gelände hilflos wie ein Käfer auf dem Rücken zu liegen. Das DRK Kronberg und die Bergwacht Großer Feldberg probten am Freitagabend den Ernstfall.

Verirrt, verletzt, verkühlt: Der vergangene Freitag war kein guter Tag für Herrn Huber. Beim Wandern auf dem Altkönig unterschätzte er den Einbruch der Dunkelheit. Der Rentner war allein auf Tour, und beim Versuch, möglichst schnell wieder nach Hause zu kommen, verletzte er sich abseits der Wege am Fuß.

Da lag er nun, hilflos und bewegungsunfähig, an einem Hang des Altkönigs bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Eine realistische Situation, versichert Peter Daniel, Bereitschaftsleiter der DRK-Bergwacht Großer Feldberg. In diesem Fall allerdings hieß Herr Huber mit richtigem Namen Hartmut Lischke, seines Zeichens Landesleiter der DRK-Bergwacht Hessen. Er hatte sich warm angezogen, wusste er doch, dass er im Mittelpunkt der gemeinsamen Übung der Bergwacht mit dem DRK Kronberg stehen würde.

In enger Abstimmung mit der Bergwacht-Bereitschaft sichern die Kronberger im Winter den Sanitätsdienst im Waldgebiet rund um den Fuchstanz und den Altkönig. An schneereichen Sonntagen ist die Josef-Jäger-Hütte des Roten Kreuzes, unweit der beiden Gaststätten auf dem Fuchstanz, von 9 Uhr an vom Ortsverband besetzt.

Nicht immer, aber oft genug tragen die Patienten zumindest eine Teilschuld an ihrer misslichen Lage. Nach dem häufigsten Fehlverhalten gefragt, antwortet Peter Daniel sofort: „Falsches Schuhwerk.“ Kolleginnen erzählen, dass sich manche Frauen sogar mit High Heels auf den Weg zum Feldberg machen. In den letzten Jahren habe der Schneefall stark abgenommen, ergänzt Hans-Peter Track vom DRK Kronberg. Somit seien es neuerdings sommers wie winters eher Mountainbike- statt Skifahrer, die durch unkontrolliertes Verhalten Unfälle verursachen würden.

Unterdessen haben sich die Kronberger und die Bergwacht auf den Weg gemacht, um das Unfallgebiet einzukreisen und Herrn Huber schnellstmöglich zu versorgen. Die Eingeweihten halten sich zurück, denn sowohl bei der Bergwacht als auch beim Ortsverband sind heute einige Mitstreiter dabei, die ihre ehrenamtliche Arbeit erst vor kurzer Zeit aufgenommen haben. Sie sollen unter realen Bedingungen lernen und Routine gewinnen, denn im Ernstfall können mitunter schon Minuten entscheidend sein.Einsatzleiter Markus Gießen von der Bergwacht findet Herrn Huber als Erster. So einfach, wie es im Fernsehen manchmal aussieht, ist das nicht, erklärt er: „Das Anpeilen über das Handy bringt in diesem Fall nichts. Für die genaue Ortung sind die Signale mehrerer Funkmasten nötig, aber der Umkreis hier ist viel zu groß dafür.“ Die moderne Technik kann trotzdem helfen: Manch Verunfallter könne dank moderner GPS-Smartphones seine genauen Standort-Koordinaten schicken, das sei sehr hilfreich.

Flugs stehen auch sein Team und die Einsatzkräfte vom DRK Kronberg beim Patienten. Herr Huber ist ansprechbar, aber ihm ist kalt, und er kann nicht laufen. Gießen nimmt die – aufgeklebte – Verletzung in Augenschein, entscheidet sich an Ort und Stelle aber gegen eine eingehendere Untersuchung. „Dafür müssten wir den Schuh und den Socken ausziehen – viel zu gefährlich bei der Kälte.“

Während die Helfer den Patienten für den Abtransport auf einer wannenförmigen Trage vorbereiten, wird ständig Gesprächskontakt zu Herrn Huber gehalten. Auch die Kommunikation der Teams untereinander, die in dieser Besetzung noch nicht gemeinsam im Einsatz waren, funktioniert reibungslos. Gießen gibt klare Anweisungen, jeder weiß, was er zu tun hat.

Einsatzleiter Markus Gießen von der Bergwacht findet Herrn Huber als Erster. So einfach, wie es im Fernsehen manchmal aussieht, ist das nicht, erklärt er: „Das Anpeilen über das Handy bringt in diesem Fall nichts. Für die genaue Ortung sind die Signale mehrerer Funkmasten nötig, aber der Umkreis hier ist viel zu groß dafür.“ Die moderne Technik kann trotzdem helfen: Manch Verunfallter könne dank moderner GPS-Smartphones seine genauen Standort-Koordinaten schicken, das sei sehr hilfreich.

Das ist auch nötig, denn der Abstieg vom Hang führt durch etwa 100 Meter dunkles, rutschiges und steiniges Terrain. Mit acht Personen, einigen Pausen und vereinten Kräften gelangen sowohl die DRKler als auch der Patient wieder auf den rechten Weg. „Solche Rettungen im Gelände sind in der Regel sehr personalintensiv“, weiß Peter Daniel zu berichten.

Die Übergabe an den Rettungsdienst ist in diesem Fall nicht nötig. So wurde der vergangene Freitag doch noch zu einem guten Tag für Herrn Huber: Wie durch ein Wunder konnte er plötzlich wieder laufen und hatte die Gewissheit, sich im Notfall auf das DRK Kronberg und die Bergwacht verlassen zu können.

Dafür fand er, wieder in Person von Landesleiter Hartmut Lischke, bei der Nachbesprechung in der DRK-Hütte viele lobende Worte.

 

Quellenangabe:

Taunuszeitung
13.01.2014
von David Schahinian

10. Januar 2014 20:59 Uhr. Alter: 5 Jahre
Von: Thomas Jung